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3. Internationales Poesiefestival Oskar Pastior, 1.-3. Oktober 2009


Das Internationale Poesiefestival Oskar Pastior in Hermannstadt präsentiert seit 2007 Dichter aus zahlreichen europäischen Ländern, deren Gemeinsamkeit darin besteht, daß sie sich auf die Tradition der experimentellen oder avantgardistischen Moderne beziehen, daß es sich um Dichter handelt, die Sprache nicht lediglich als poetisches Ausdrucksmittel, sondern als die poetische Sache selbst verstehen. Dabei können und wollen wir nicht eine Richtung dieser Poesie vorziehen, sondern die in verschiedenen Ländern jeweils unterschiedlich ausgeprägten poetischen Sprechweisen berücksichtigen.


In den ersten beiden Jahren dieses Festivals sind insgesamt 37 Dichter aus den verschiedensten Ländern Europas unserer Einladung, nach Hermannstadt zu kommen und hier zu lesen, gefolgt; jeder von ihnen war in seinem Herkunftsland und in Westeuropa mittlerweile bekannt, wenige aber waren dem rumänischen Publikum vertraut; bis zum heutigen Tage verhält sich der rumänische Buchmarkt immer noch indifferent gegenüber der internationalen Gegenwartsdichtung. Die Einmaligkeit der Begegnungen von Autoren und Publikum, der poetischen Stile, die sich durchaus unterschieden, führte zu der einzigartigen aber ephemeren Atmosphäre, in der die poetische Sprache die sprachlichen, politischen und geographischen Grenzen transzendiert.


Die Tatsache, daß Oskar Pastior in Sibiu/Hermannstadt geboren wurde, daß er zu den bedeutendsten Dichtern Deutschlands zählt, daß durch ihn, seine Poesie und seine Übersetzungsarbeiten ein europaweites Netz an Dichterfreundschaften, an poetischen Bezugnahmen und Verwandtschaften entstanden ist, hat uns dazu angeregt, dieses Festival seit 2006 in Sibiu/Hermannstadt auszurichten und nach ihm zu benennen.


Autoren 2009:

1. Constantin Acosmei (Rumänien)

2. Urs Allemann (Schweiz)

3. Daniel Bănulescu (Rumänien)

4. Tadeusz Dąbrowski (Polen)

5. Daniela Danz (Deutschland)

6. Oswald Egger (Österreich/Deutschland)

7. Georgi Gospodinov (Bulgarien)

8. Herta Müller (Deutschland)

9. Ion Mureşan (Rumänien)

10. Krzysztof Siwczyk (Polen) 

11. Paulo Teixeira (Portugal)

12. Hans Thill (Deutschland)

13. Radu Vancu (Rumänien)


Moderatoren: Corina Bernic, Gabriel H. Decuble, Al. Şahighian, Ernest Wichner 


Ort: Philharmonie Hermannstadt, Thalia-Saal


Veranstalter: Literaturhaus Berlin und das Rumänische Kulturinstitut Bukarest

Partner: Berliner Künstlerprogramm des DAAD, Deutsches Kulturzentrum Hermannstadt, Österreichisches Kulturforum, Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia, Fischer Stiftung - TRADUKI, Polnisches Institut Bukarest, Oskar Pastior Stiftung



CONSTANTIN ACOSMEI (RUMÄNIEN)

Geboren 1972 in Tîrgu Neamţ, hat in Iaşi Philologie studiert und arbeitet z.Z. als Bibliothekar in einer Bibliothek in Iaşi. 2006 erschien sein Gedichtband Jucăria mortului (Das Spielzeug des Toten) in der 3. Auflage; für diesen Band wurde C. Acosmei 1996 mit dem Debütpreis der Schriftstellervereinigung in Iaşi ausgezeichnet. In diesem Herbst wird eine ins Deutsche übersetzte Auswahl aus seinen Gedichten in der Anthologie Balkanische Alphabete. Rumänien zusammen mit Gedichten von V. Leac und Iulian Tănase im Verlag Das Wunderhorn (Heidelberg) erscheinen.


URS ALLEMANN (SCHWEIZ)

Geboren 1948 in Schlieren bei Zürich. Aufgewachsen in Bonn und Berlin. Studium der Germanistik und Anglistik in Marburg, der Soziologie und Sozialpsychologie in Hannover. 1975 bis 1976 Redakteur der Zeitschrift Theater heute. Leitete von 1986 bis 2004 das literarische Feuilleton der Basler Zeitung. 1991 innerhalb des Ingeborg Bachmann Wettbewerbs den Preis des Landes Kärnten erhalten für die Erzählung Babyficker. Lebt heute als Autor und Poesie-Performer in Bettingen bei Basel. Zuletzt erschienen die Gedichtbände: schœn! schœn! (Urs Engeler Editor 2003) und im kinde schwirren die ahnen (Urs Engeler Editor 2008).


DANIEL BĂNULESCU (RUMÄNIEN)

Geboren 1960 in Bukarest; er ist Dichter und Prosaschriftsteller. Er veröffentlichte  die Gedichtbände Ich werde dich lieben bis zum Ende des Bettes (1993), Die Ballade des Daniel Bănulescu (1997) und Bundesrepublik Daniel Bănulescu (2000) sowie die Romane Ich küsse dir den Hintern, geliebter Führer (1994), Die sieben Könige der Stadt Bukarest (1998) und Der beste Roman aller Zeiten (2008). In deutscher Übersetzung erschienen seine Gedichtbände Schrumpeln wirst du, wirst eine exotische Frucht sein (2003), der Roman Ich küsse dir den Hintern, geliebter Führer (2007) und der Gedichtband Was schön ist und dem Daniel gefällt (2009).


TADEUSZ DĄBROWSKI (POLEN)

1979 in Elblag, Polen geboren. Er ist Lyriker, Essayist, Kritiker und Redakteur der Literaturzeitschrift Topos. Man rechnet ihn der Gruppe der „Danziger Konservativen“ zu. 2006 erhielt er auf Empfehlung des polnischen Schriftstellers Tadeusz Różewicz „Das Kleine Zepter“ der Polnischen Kulturstiftung. Nach mehreren Gedichtbänden gab er 2006 die maßgebliche Anthologie für zeitgenössische polnische Lyrik Poza słowa. Antologia wierszy 1976–2006 heraus. Er ist Preisträger des Hubert Burda Preises für junge Lyrik 2008. Dąbrowski war unter anderem Stipendiat des Literarischen Colloquium Berlin. Seine Gedichte wurden in mehrere Sprachen übersetzt. In deutscher Sprache erschienen seine Texte in den Literaturzeitschriften Sprache im technischen Zeitalter, Lichtungen, manuskrpite, Akzente. Tadeusz Dąbrowski lebt in Danzig.


DANIELA DANZ (DEUTSCHLAND) 

1976 in Eisenach geboren, studierte Kunstgeschichte und Germanistik in Tübingen, Prag, Berlin und Halle. Sie hat bisher zwei Lyrikbände und einen Roman veröffentlicht und lebt als freie Autorin und Kunsthistorikerin in Halle an der Saale. Zuletzt erschien ihr Gedichtband Pontus (Wallstein Verlag, 2009).


OSWALD EGGER (ÖSTERREICH)

Oswald Egger wurde 1963 in Tscherms/Italien geboren und wuchs in der Südtiroler Kleinstadt Lana auf. Lana (Südtirol) geboren und wächst in der Südtiroler Kleinstadt Lana auf. Von 1983 bis 1987 widmet sich der langjährige Präsident des Vereins der Bücherwürmer Lana seinem Studium der Philosophie und Literatur in Wien und schließt 1993 mit einer Arbeit zur Poetik des hermetischen Gedichts ab. 1999 stellt er nach zehn Jahren die Herausgabe der von ihm 1989 gegründeten und bibliophil gestalteten Literaturzeitschrift Der Prokurist ein, um sich verstärkt seinem literarischen Schaffen widmen zu können. Oswald Egger hat zahlreiche Gedichtbände, poetologische Texte und Libretti veröffentlicht. Zuletzt erschienen die Gedichtbände Tag und Nacht sind zwei Jahre. Kalendergedichte (2006), nihilum album (2007), der poetische Essay Lustrationen. Vom poetischen Tun (2008) und Diskrete Stetigkeit. Poesie und Mathematik (2008). 2007 wurde O. Egger mit dem Peter Huchel-Preis und 2008 mit dem H. C. Artmann-Preis ausgezeichnet. Er lebt in Wien und auf der Raketenstation in Hombroich bei Neuss.


GEORGI GOSPODINOV (BULGARIEN)

1968 in Jambol in Bulgarien geboren. Er lebt als Schriftsteller, Theaterautor und Dichter in Sofia. International bekannt wurde er mit seinem 1999 erschienenen Roman „Natürlicher Roman“, der mittlerweile in zehn Sprachen übersetzt worden ist. Für sein Theaterstück D. J. (es steht für Don Juan) wurde er mit dem Preis für das beste bulgarische Theaterstück des Jahres 2004 ausgezeichnet, es wurde auch in Österreich und Frankreich aufgeführt.
Georgi Gospodinov hat seit 1992 vier Gedichtbände veröffentlicht; zuletzt erschien sein Band Balladen und Maladien (2007).


HERTA MÜLLER (DEUTSCHLAND)

Herta Müller, geboren 1953 in Nitzkydorf im Banat, einer auch deutschsprachigen Region Rumäniens, war nach ihrem Studium der deutschen und rumänischen Philologie in den 70er Jahren zunächst als Übersetzerin in einer Maschinenfabrik tätig. Dort wurde sie jedoch bald entlassen, da sie sich weigerte, für den rumänischen Geheimdienst Securitate zu arbeiten. Als sie 1978 ihr erstes Buch Niederungen fertigstellte, wurde es zunächst nicht veröffentlicht. Erst 1982 konnte eine zensierte Fassung erscheinen. Die Originalfassung hingegen konnte erst 1984 in Deutschland erscheinen. Die anhaltende Bedrohung durch die Securitate zwang sie dazu, 1987 nach Deutschland zu übersiedeln. Verschiedene Gastprofessuren führten sie nach England, in die USA und die Schweiz. Herta Müllers zentrale Themen sind werkübergreifend in ihrem Prosawerk und auch in ihren lyrischen Arbeiten zu finden: Abschiede, Auswandern, Weggehen ohne je irgendwo anzukommen. Ihr Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Franz Kafka Preis, European Literary Prize Aristeion, International IMPAC Dublin Literary Award, Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung, Berliner Literaturpreis. Heute lebt und arbeitet Herta Müller in Berlin. In diesem Herbst erschien ihr Roman Atemschaukel, der aufgrund mehrjähriger Gespräche der Autorin mit Oskar Pastior entstanden ist und von der Deportation der Rumäniendeutschen in die Sowjetunion zwischen 1945 und 1949 erzählt.


ION MUREŞAN (RUMÄNIEN)

1955 in Vultureni bei Cluj (Klausenburg) in Rumänien geboren, hat in Cluj Geschichte und Philosophie studiert und war Mitglied des legendären Echinox-Kreises, einer Gruppe von Dichtern und Intellektuellen um die Zeitschrift Echinox, die seit den späten 70er Jahren des 20. Jahrhunderts ein weltoffenes und regimekritisches Gespräch pflegten und während der Ceauşescu-Diktatur vielfach überwacht, bespitzelt und behindert wurden. Zum Lehrer ausgebildet, unterrichtete er in einem siebenbürgischen Dorf Geschichte, wurde 1988 Redakteur der Kulturzeitung Tribuna und lebt heute als Redakteur der Zeitschrift Verso in Cluj. Obwohl Ion Mureşan nur zwei Gedichtbände veröffentlicht hat (Cartea de iarnă, Winterbuch, 1981 und Poemul care nu poate fi înţeles, Das unverständliche Gedicht, 1993), gilt er heute als einer der bedeutendsten rumänischen Dichter seiner Generation. In deutscher Übersetzung ist 2008 sein Gedichtband Acces interzis – Zugang verboten in der Reihe Abrasch der edition per procura, Wien/Bozen, erschienen.


KRZYSZTOF SIWCZYK (POLEN)

1977 in Gliwice geboren, lebt und arbeitet in Gliwice/Polen. Er hat Kulturwissenschaften studiert und ist. Schauspieler und Schriftsteller. Schreibt Lyrik und Prosa unh hat u.a. Dzikie Dzieci (Gedichte, 1995), Im Reich der Mitte (Gedichte, 2007, Erata-Literaturverlag - Übertragung Andre Rudolph) veröffentlicht. 1995 hat er den Preis der Monatszeitschrift Czas Kultury bekommen. Seine Tätigkeit als Schauspieler wurde 2000 mit dem Europäischer Filmpreis als Bester Darsteller ausgezeichnet.

PAULO TEIXEIRA (PORTUGAL)

1962 in Maputo, Mosambik geboren, Pauolo Teixeira gilt als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Lyriker Portugals am Beginn des 21. Jahrhunderts. Er studierte in Lissabon Geographie und Regionalplanung. Seit 1977 ist er Herausgeber der Literaturmagazings Relampago. 2005 lebte er als Stipendiat in Berlin. Sein Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit Premio Eca-de-Queiros. 2008 erschien im Verlag Elfenbein sein letzter Lyrikband Einsweilige Biographie (autobiographica cautelar).

HANS THILL (DEUTSCHLAND)

1954 in Baden-Baden geboren, lebt in Heidelberg. Mitbegründer des Verlags Das Wunderhorn. Zahlreiche Übersetzungen aus dem Französischen (u. a. Fénéon, Apollinaire, Soupault, Queneau, Meddeb). Herausgeber (zus. mit Michael Braun) der
Anthologien: Punktzeit. Deutschsprachige Lyrik der achtziger Jahre, Heidelberg 1987; Das verlorene Alphabet. Deutschsprachige Lyrik der neunziger Jahre, Heidelberg 1998. Zuletzt erschienen die Gedichtbände Zivile Ziele, Heidelberg 1995; Kühle Religionen, Heidelberg 2003 (hierfür Peter-Huchel-Preis 2004). Leiter der Reihe Poesie der Nachbarn. Herausgeber der Anthologien: Leb wohl, lila Sommer. Gedichte aus Rußland (zus. mit Gregor Laschen). Wozu Vögel, Bücher, Jazz? Gedichte aus England, Vorwärts, ihr Kampfschildkröten! Gedichte aus der Ukraine.


RADU VANCU (RUMÄNIEN)

Radu Vancu, 1978 in Sibiu/Hermannstadt (Siebenbürgen) geboren, hat Philologie studiert und lebt als Hochschuldozent und Autor in Sibiu. Er veröffentlichte die Gedichtbände Epistole pentru Camelia (Briefe für Camelia) (2002), Biographia litteraria (2006), »Monstrul fericit« Das glückliche Monster (2009) und den Essay »Mircea Ivănescu. Poezia discreţiei absolute« Mircea Ivănescu. Die Poesie der absoluten Diskretion (2007).


Über die musikalische Struktur der Poesie Oskar Pastiors
Vortrag von Gabriel H. Decuble, Musik (Gitarre) von Nuţu Militaru

Gabriel H. Decuble ist Dichter und Übersetzer. Er studierte Germanistik, Romanistik und Klassische Philologie an den Universitäten Iasi, Paris und Freiburg i. Br., wo er 2001 promovierte. Zur Zeit lehrt er deutsche Literaturgeschichte an der Universität Bukarest. Zuletzt erschienener Lyrik-Band: Eclectica, Verlag Cartea Românească, Bukarest, 2009.

Nuţu Militaru ist rumänischer Komponist und Musiker. Er studierte an der Musikhochschule Bukarest, im Fach Klassische Gitarre, und gewann als Instrumentalist viele Preise. Seit 2004 lehrt er an der International British School of Bucharest und ist akkreditierter Cambridge-Gutachter für Gitarre-Unterricht. Er leitet auch eine eigene Band, die sich in Rumänien mit ihren Fusion-Performances auf vielen Festivals und in Konzerten einen Namen machte.


 
 
Teilnahme mit eigenem Stand
Teilnahme
Weitere Links
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